karina villavicencio

Your Story Piece

lebendiges interkulturelles Archiv

Your Story Piece on Soundcloud.

Das Projekt Your Story Piece ist poetisch und politisch zugleich.
Ich verfolge das Ziel, die unbemerkten Geschichten, die Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung in sich tragen, sichtbar zu machen und Erinnerungen aktiv in Kultur einfließen zu lassen. In diesem Sinne enthält dieses Projekt ein nachhaltiges Konzept. Ausgangspunkt sind die Fragen: Wer spricht für wen? In welchem Gedächtnisraum agieren wir und wie können wir unsere Erfahrungen integrieren?

Im Rahmen des kulturellen und sozialen Gedächtnisses wird eine Wahl getroffen, woran man sich erinnern muss/darf. Was ist wich- tig und was ist nicht wichtig genug, um uns daran zu erinnern. Die Entscheidungen über dieses kulturelle Gedächtnis werden von Institutionen wie Museen, Bibliotheken, Archiven oder von Politikern getroffen. Wenn wir betrachten, wer die Beschlüsse in diesen Institutionen trifft, können wir feststellen, dass Frauen im allgemeinen, und besonders Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, keinen Zugang zu solchen Entscheidungen und Sortierungsvorschlägen haben. Wir bleiben in einer Randzone.

Oftmals vergessen weil sie nicht historisch bedeutsam sind, bleiben trotzdem unsere Emotionen und Erfahrungen in Form von Erin- nerungen und Erlebnissen in uns und unseren Körpern, ohne in die offizielle Geschichte miteinbezogen zu werden. Dennoch verblei- ben diese Erlebnisse in uns, wirken im Jetzt und je nachdem, wie wir damit umgehen, beeinflussen sie unsere Zukunft.

YSP erlöst diese Erinnerungen von diesem Zustand der Latenz und schafft Raum für die Manifestation dieser durch Bewegungen, Geschriebenes und Bilder.
Indem die Frauen eine Erinnerung teilen, werden sie selbst ein lebendiges, interkulturelles Archiv. Archiv wird in diesem Projekt als ein Mittel der Äußerung, Sichtbarmachung und Performativität, um Gefühle und Beziehungen im Körper auszulösen, verstanden.
In diesem Zusammenhang wird der Körper selbst als Archiv, als lebendiges interkulturelles Archiv, wahrgenommen.

Die Erinnerungen und Gefühle werden durch Objekte wie Bilder, Fotos, Kurzgeschichten, Meinungen, Lieder, Gesten und Bewegungen gesammelt und visualisiert. Es geht um ein Benennen, Visualisieren und Bewahren.
Deshalb bietet das Projekt die Möglichkeit, die Randzone abzutreten, den Platz der Beobachterin zu verlassen und Teil des Diskur- ses zu werden. Gleichzeitig schafft YSP die Zeit und den Raum zur kollaborativen Schaffung eines neuen, kollektiven Diskurses aus einer migrantischen Perspektive. Aus politischer Sicht werden wir zu ProduzentInnen und TrägerInnen unseres Diskurses. Durch die Erinnerungspraxis erlauben wir uns, körperlich und geistig einfach die zu sein, die wir sind.
Das ist Empowerment.

Ein gefördertes Projket vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben!